Oberschenkelprothetik

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Voraussetzungen für eine prothetische Versorgung:

Der Oberschenkelstumpf sollte belastbar sein und die Amputationsnarbe muss verschlossen sein. Bei einseitiger Prothesenversorgung sollte das Stehen im Einbeinstand möglich sein. Bei allen Prothesentypen ist vor dem Gipsabdruck eingehende Beratung durch die/den Orthopädietechniker/in notwendig. Es ist wichtig, welche Aktivitäten die/der Oberschenkelamputierte ausübt und welche Schuhe sie/er dabei trägt. Die Absatzhöhe ist für die spätere Statik der Prothese von entscheidender Wichtigkeit.
Nach einer Oberschenkelamputation erfolgt die prothetische Erstversorgung mit einer Interimsprothese. Diese trägt die Patientin /der Patient in den meisten Fällen sechs Monate lang. Auch nach vorausgegangener Kompressionsversorgung findet der Stumpf in der Regel durch aktives Gehen zu seiner endgültigen Form.

Oberschenkel Prothesenschäfte:

Grundsätzlich hat eine Oberschenkelschaft folgende Haftmechanismen:

Das Volumen des Stumpfes wird durch den Schaft aufgenommen. Außerdem ist der Prothesenschaft so gestaltet, dass ein Vakuum zwischen Stumpf und Prothesenschaft entsteht. Dieses Vakuum sorgt dafür , dass die Patientin/der Patient den Schaft bzw. die Prothese nicht verliert. Grundlegend werden zwei Schaftarten unterschieden:

Querovaler Schaft:

Die/ der Amputierte sitzt mit dem Sitzbeinhöcker auf der dafür vorgesehenen Abstützung, der so genannten Tuberbank. Damit kein vorkippender Moment entsteht, wird an den Femoralgefäßen abgestützt.

Vorteile: Der Schaft lässt sich leicht herstellen und bei Passformproblemen leicht nachpassen.
Nachteile: Der Stumpf wird durch die vordere Abstützung und den daraus resultierenden Belastungen der Gefäße in der Leiste (Femoralgefäße) auf Dauer weniger durchblutet. DerTuberaufsitz stimmt nicht mit dem Drehpunkt des Hüftgelenks überein.

Längsovale Schaft:

Der Sitzbeinast wird durch die Konstruktion des Schaftes umklammert. Der Schaft benötigt keine Abstützung im Bereich der Femuralgefäße.

Vorteile: Gute Durchblutung des Stumpfes, da keine direkte Abstützung im Bereich der Femuralgefäße. Höherer Tragekomfort . Der Drehpunkt von Schaft und Hüftgelenk sind kongruent. Der Stumpfendkontakt lässt sich bei diesem Schafttyp leichter verwirklichen.

Nachteile: Nachpassen bei Stumpfschwankungen sind nicht so leicht möglich wie bei einem Querovalen Schaft.

Kniegelenke:

Die Funktion von Kniegelenken ist für die Prothesenversorgung von besonderer Bedeutung. Zum besseren Verständnis hier einige wichtige Begriffserklärungen:

Der Doppelschritt zerfällt in zwei Abschnitte. Den ersten Abschnitt nennt man Standphase. Sie ist derjenige Teil eines Doppelschrittes, in dem das betrachtende Bein mit dem Fuß den Boden berührt. Sie zählt dementsprechend vom Fersenkontakt des Beines bis zu dessen Zehenablösung und nimmt etwa 61 % der „Doppelschrittzeit“ in Anspruch.

In Gangzyklus heißt das, das die Prothese beim Fersenauftritt nicht einknickt.

Die einfachste Möglichkeit ein Kniegelenk vor dem Einknicken zu sichern, ist das Kniegelenk zu sperren (Kniefeststellung). Dies findet oftmals in der Geriatrieversorgung Verwendung.

Eine weitere Möglichkeit der Standphasensteuerung ist die mechanische Bremse. Das bedeutet, dass das Kniegelenk bei Belastung gesperrt ist und bietet der Amputierten/dem Amputierten Sicherheit. Beim Durchschwingen des Prothesenunterschenkels während der Gangphase wird das Kniegelenk durch einen verstellbaren, mechanischen Vorbringer gesteuert.

An die Standphase schließt sich die Schwungphase an, in der das vorher stützende Bein vorschwingt. Diese füllt etwa die restlichen 39 % der „Doppelschrittzeit“ aus.

Bei größerer Mobilität der Patientin/des Patienten kann die Schwungphase auch durch ein hydraulisches oder pneumatisches Prothesenkniegelenk ausgestattet werden. Diese Dämpfungseinheiten passen sich dem Gangrhythmus der Patientin/des Patienten an.

Welches Kniegelenk zur Anwendung kommt, hängt von verschiedenen Faktoren wie Stumpflänge, Stumpfverhältnisse, Mobilitätsgrad, Gewicht sowie das Umfeld der Patientin/des Patienten ab.

Kosmetik bei Oberschenkelprothesen:

Die Kosmetik bei Oberschenkelprothesen besteht aus Schaumstoff. Die Kosmetik ist am Prothesenfuß und am Oberschenkelschaft fixiert.
Die Gestaltung der Kosmetik hängt von den Maßen des Oberschenkelschaftes ab. Die anatomische Wiedergabe des Beines kann bei den meisten Prothesen verwirklicht werden.

Prothesenschaft, Kniegelenk und Prothesenfuß sind als funktionelle Einheit zu sehen und müssen aufeinander abgestimmt sein.